GESELLSCHAFT HARMONIE

zu BAMBERG

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Reise der Gesellschaft Harmonie Bamberg vom 10.9. - 19.9.2018

Sommerfahrt nach Nordfrankreich

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11. 09.

Ausgeschlafen waren wir fit für Nancy, die alte Hauptstadt Lothringens, die sowohl spätbarocke als auch Jugendstil Schätze vorzuweisen hat. Den barocken Teil lernten wir vor allem mit der herrlichen Place Stanislas, ihren prachtvollen vergoldeten schmiedeeisernen Gittern von Lamour und den fünf stattlichen Palais, davon das größte das Hôtel de Ville, kennen. Durch den Triumphbogen im Norden gelangten wir auf die langgezogene Place de la Carrière, die leider durch Reste einer Veranstaltung in der Mitte blockiert war. Trotzdem hatten wir einen großartigen Eindruck von dem Palais Ducal am Ende, den bedeutendsten spätgotischen Profanbau in Lothringen. Neben dem Palais Ducal besichtigten wir die Église des Cordeliers, die Grablege des lothringischen Herzoghauses. Beeindruckend war hier die Grabstätte der Philippa von Geldern, der Ehefrau Renés II, dargestellt als liegende ältere Frau. Auf der Weiterfahrt nach Reims war Toul der nächste Stopp mit der Kathedrale St-Etienne hinter den Befestigungsanlagen von Vauban. Im Park des Bischofspalais konnten wir köstlichen Baguettes – höchstpersönlich belegt von Herrn Söder und Monsieur Albert – in der Mittagspause genießen, bevor wir uns der Kathedrale mit der herrlichen Fassade im Flamboyantstil und den zwei unvollendeten Türmen widmeten. In Erinnerung werden der große gotische Kreuzgang und die Forget-Kapelle aus der Renaissance mit Kassettenkuppel bleiben. In Reims angekommen, steuerten wir den Champagner Hersteller Taittinger an, um uns in den riesigen unterirdischen Gewölben, die teilweise aus der Römerzeit und einer späteren Klosteranlage stammten, über die Herstellung dieses herrlichen Getränkes zu informieren. Drei Proben im Anschluss durften nicht fehlen. Heiter und ein wenig ausgelassen bezogen wir später unser Hotelzimmer.

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12. 09.

Heute begannen wir den Besichtigungstag mit dem Meisterwerk der Hochgotik, das auch Teil des Unesco Welterbe ist: der Kathedrale von Reims, der Krönungsstätte fast aller französischen Könige. Wir erkundeten sie von der Ostseite her, um die grandiose Architektur zu bestaunen, bevor wir dann vor der Hauptfassade mit ihren drei Spitzbogenportalen, der herrlichen Fensterrose und den vielen Statuen u.a. die Galerie der Könige standen. Auch die bekannte Engelfigur - „Sourire de Reims“ - lächelte auf uns herab. Der Innenraum der Kathedrale mit 149 m zählt zu den längsten in Frankreich. Im Chorscheitel zog das intensiv blau gehaltene Fenster Chagalls alle Blicke auf sich, rechts und links von den abstrakten Glasfenstern von Imi Knoebel eingerahmt. Das sogenannte Champagnerfenster, gestiftet von den Winzern der Champagne, zeigt Anbau und Herstellung dieses Getränkes. Im gotischen Bischofspalais - Palais du Tau - sahen wir uns u.a. die heilige Ampulle mit dem Öl für die Königskrönungen und einen Talisman Karls des Großen an. Nach der Mittagspause ging es das kurze Stück per Bus nach St. Rémi, der großartigsten romanischen Kirche Nordfrankreichs. An ihr gefielen uns besonders die mystische Atmosphäre des Langhauses mit Empore, der frühgotische Umbau und das rekonstruierte Grabmal des heiligen Remigius, der als Gründer des Christentums in Frankreich gilt. Im Museum nebenan, einem ehemaligen Kloster, konnten wir den mittelalterlichen Klostersaal und das barocke Treppenhaus bewundern, das sich auch als Hintergrund für ein schönes Gruppenfoto anbot.

Im Musée de la Reddition konnten wir die letzten Tage des 2. Weltkrieges mit der Kapitulation durch Generaloberst Jodl am 7.5.1945 nacherleben.

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13.9.

Weiter ging die Fahrt nach Laon, wo wir eigentlich mit der Minimetro hoch zur Kathedrale kommen wollten. Leider war diese bequeme Anfahrt eingestellt worden. Zu Fuß erklommen wir daher durch die Porte d’Ardon den Kalksteinfelsen mit der frühgotischen Kirche, die für zahlreiche Bischofskirchen wie Amiens und Reims ein Vorbild war. Sie übte auch Einfluss auf die englische Gotik aus. In Deutschland ist z. B. der Bamberger Dom von ihr inspiriert worden. Als typische Merkmale haben sich uns die trichterförmige Fassade, die vier Türme , die in einer filigranen Säulenkonstruktion enden, das Vierungsoktogon, der gerade abschließende Chor und an den Westtürmen die sechzehn Ochsen eingeprägt. Im Innern überwiegt ein einheitlicher Raumeindruck mit Säulen und Fensterrosen im vierteiligen Wandaufbau. Nach kurzer Rast steuerten wir die frühgotische Kathedrale St-Gervais-et-St-Protais in Soissons an. Hier erinnerte die Fassade ein wenig an die von Notre Dame in Paris. Der Nordturm wurde nie verwirklicht. Der hohe Innenraum (30,3 m) mit den gleich hohen Arkaden und Hochschifffenstern strahlt eine gewisse Eleganz aus. Beeindruckend war auch das Rubensbild, die Anbetung der heiligen drei Könige. In Beauvais , dem heutigen Reiseziel , schauten wir uns die Kathedrale St-Pierre an, die wegen ihrer Höhe (wie der Turm von Babel) und dem fehlenden, weil eingestürzten Langhaus, großen Eindruck machte. Der mit 46,77 Metern höchste gotische Chor Frankreichs - gestützt durch Eisenstangen- und das Querhaus mit der herrlichen Flamboyant-Fassade und hölzernen Portalen aus der Renaissance zeugen von großem handwerklicher Kunst. Durch das fehlende Langhaus war die Statik immer bedroht, so dass viele Stützen aus Eisen und Holz eingezogen werden mussten. Auch die zwölf Meter hohe astronomische Uhr, eine Kopie der Uhr aus dem Straßburger Münster, zog unsere Aufmerksamkeit an.

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14.9.

Heute sollte die Gotik ruhen und den Augen großartige Natur geboten werden. Nach einer beschaulichen Fahrt erreichten wir das über Les Andélys gelegene Château Gaillard, von Richard Löwenherz als Bollwerk gegen den französischen König erbaut, heute eine imposante Ruine mit wunderschönem Blick über die Seine Landschaft. Hier war auch die Stelle für das traditionelle Picknick jeder Harmoniereise. Bei schönstem Wetter mit phantastischer Aussicht labten wir uns an Köstlichkeiten, die vorher in einem Supermarché mit vielen Helfern ausgesucht worden waren. Ein kleiner Verdauungsgang an der Seine vertrieb die postprandiale Müdigkeit. Weiter ging es nach Giverny, wo nicht nur Haus und Garten von Monet uns begeisterten. Das Haus in grün und rosa, die gelbe Küche mit dem Ofen und das gemütlich eingerichtete Atelier mit unzähligen Reproduktionen erweckten in vielen den Eindruck , als ob der Künstler noch anwesend sei. Der lila gehaltene Wassergarten mit den Brücken und der normannische Garten in seiner Farbigkeit ließen das Herz der Besucher höher schlagen. Zum Abendessen waren wir im Hotel Baudry angemeldet, in dem auch damals die Künstlerkollegen um Monet logierten. Im Garten ist auch deren Ateliergebäude mit Einrichtung erhalten. Abends bezogen wir in Rouen unser Quartier für die nächsten drei Nächte.

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15.9.

In Rouen erkundeten wir vom gotischen Justizpalast aus zu Fuß die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt, die durch Handel, Hafen und Tuchmacherei zu Reichtum gekommen war. Auf der Place du Vieux Marché wurde am 30.5.1493 Jeanne d’Arc verbrannt. Hier erinnert heute ein schlichtes Kreuz an dieses Ereignis. In der modernen Église -St-Jeanne-d’Arc, die wie ein umgedrehter Schiffsrumpf gebaut wurde, begeisterten uns die wunderschönen Renaissancefenster aus der 1944 zerstörten St-Vincent Kirche. Wir konnten kaum genug hören von den Geschichten hinter den Darstellungen und Frau Dr. Peters gab unermüdlich Auskunft. Obwohl die mittelalterliche Stadt durch den 2. Weltkrieg stark zerstört wurde, sind die Rekonstruktionen der Fachwerkhäuser sehr gelungen. Auf dem Weg zur Kathedrale kamen wir an dem stark ausgeschmückten Bau des Hôtel Bourgtheroulde und der Gros Horloge, das heimliche Wahrzeichen der Stadt, vorbei. C. Monet verewigte die Kathedrale in zahlreichen Gemälden mit ihrer herrlichen Fassade im Flamboyantstil mit dem Tour St- Romain links - auf Resten eines romanischen Vorgängerbaus errichtet - und dem Tour de Beurre rechts im späten Flamboyant- finanziert durch Steuer auf Butterverzehr während der Fastenzeit. Imposant ragt der gusseiserne Vierungsturm 151,5m hoch. Das Langhaus beeindruckte uns durch seine Helligkeit, die durch fehlende Fußböden der Emporen verursacht wird. Natürlich blieben wir auch am Steinsarg von R. Löwenherz stehen, in dem sein Herz bestattet ist. Das Portail des Libraires faszinierte durch die Detailgenauigkeit. Leider konnten wir wegen Ausgrabungsarbeiten im Aire St. Maclou , einem Pestfriedhof, nicht die Holzgalerien mit geschnitzten Totentanzszenen anschauen. Der Nachmittag war zur freien Verfügung: Bischofspalais, Musée des Beaux - Arts , die spätgotische Kirche St-Maclou mit wunderschönen Renaissancetüren, essen, bummeln, shoppen … alles war möglich. Am Abend zog es einige noch zum „Son et Lumière“ vor die Kathedrale, um die Geschichte der Wikinger und von Wilhelm dem Eroberer in einem fantastischen Lichtspektakel anzusehen.

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16.9.

Heute fuhren wir an die Küste der Normandie. Aber zuerst waren wir in der Domaine de la Pommeraie, nicht weit von Honfleur, zur Verkostung von Cidre, Calvados und normannischem Käse angemeldet. Eine junge Französin erklärte uns in Englisch den Herstellungsprozeß vom Apfel zum Cidre bzw. Calvados, bevor wir die Produkte auch selber probieren durften. Weiter ging es dann nach Honfleur, einem kleinen Seestädtchen mit malerischen Gassen. Von hier stammen u.a. der Komponist Eric Satie und der Maler Eugène Boudin. Die Sonne schien, es war Sonntag und Essenszeit, dementsprechend bevölkert waren die Restaurants um das kleine Hafenbecken. Vor der Mitagspause besichtigten wir aber noch die zweischiffige spätgotische Holzkirche St-Catherine mit dem freistehenden Turm, deren Dachkonstruktion Schiffsrümpfen gleicht. Auf der Weiterfahrt ging es über den Pont de Normandie, einem Meisterwerk der Ingenieurkunst, nach Étretat, einem quirligen Seebad mit steilen Felsklippen. Je nach Lust und Laune faulenzten wir am Strand, nahmen ein Bad im Meer oder bestiegen die Klippen und bewunderten von dort oben die eindrucksvollen Felsformationen und den grandiosen Blick. Zum Abendessen fuhr uns der Bus nach Yport ( Fecamp) in das Restaurant La Sirène, wo wir am Meer bei untergehender Sonne köstlich aßen. Müde, satt und zufrieden kamen wir spät abends nach Rouen zurück.

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17.9.

Wir verließen Rouen, um entlang der Seine-Schleifen zur schönsten Klosterruine Frankreichs, Jumièges, zu gelangen. Dieses ehemalige Benediktinerkloster liegt zauberhaft in einem Park nach englischem Vorbild. Die hohe, steile Abteikirche Notre- Dame wurde unter Wilhelm dem Eroberer geweiht; in der kleinen Petruskirche daneben sind Überreste aus dem 9. Jahrhundert zu entdecken. Nach dem Hin und Her von Aufbau und Zerstörung haben seit der Romantik die Eigentümer die Bausubstanz erhalten und so zu einem einzigartigen Geschichtsdenkmal gemacht. Unsere Reise führte weiter nach St-Valéry-sur-Somme, wo die Somme in den Ärmelkanal mündet. Eigentlich war eine Bootstour geplant, aber es war Ebbe! Deshalb gingen wir zu Fuß nach dem Mittagessen am Somme-Ufer entlang. Auch so bekamen wir einen schönen Eindruck von der idyllischen Landschaft. Wir verließen die Küste der Picardie und nahmen Kurs auf Amiens - unserem nächsten Quartier. Hier wollte uns Frau Dr. Peters die Westfassade der Kathedrale unbedingt im Spätnachmittagslicht zeigen. Als wir dann davor standen, waren wir beeindruckt von Größe und Statuenreichtum dieses Meisterwerks der Hochgotik, die ein bauliches Vorbild für den Kölner Dom war. Unvergessen bleiben die drei tiefliegenden Portale mit dem Beau Dieu d’Amiens am Mittelpfeiler des mittleren Portals und im feinsten Flamboyantstil die Fensterrose, unter der sich die imposante Galerie der Könige hervorhebt. Wieder neigte sich ein interessanter Reisetag dem Ende zu.

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18.9.

Rechtzeitig brachen wir von unserem etwas außerhalb der Stadt gelegenen Hotel nochmal zur Kathedrale auf, um diese im Morgenlicht von innen zu erkunden. Beim Betreten des Kirchenschiffes staunten wir erst einmal über die unermessliche Höhe und Helligkeit des Langhauses. Das achteckige Bodenlabyrinth und die kunstvollen Chorschranken mit Szenen aus dem Leben des heiligen Firmin und Johannes dem Täufer zogen als nächstes unsere Aufmerksamkeit an. Hinter dem Hochaltar entdeckten wir den berühmten weinenden Engel - ein Motiv vieler Postkarten vor allem im 1. Weltkrieg.

Weiter ging die Fahrt nach Arras, wo die beiden schönen Plätze, Grand’ Place und Place des Héros mit dem spätgotischen Rathaus unsere bewundernden Blicke auf sich zogen. Man fühlte sich fast in eine alte flämische Handelsstadt zurückversetzt. Hier blieben wir auch zur Mittagspause, bevor wir über Brüssel nach Aachen weiterfuhren. Der heftige Brüsseler Stadtverkehr verlangte von „Monsieur Albert“ viel Geduld bis er uns in der Nähe der Grand‘ Place absetzen konnte. Mit dem gotischen Rathaus, dem gegenüberliegenden neogotischen Maison du Roi und den barocken Zunfthäusern reiht er sich in die Liste des Unesco - Weltkulturerbe ein. Am Abend erreichten wir voller neuer schöner Eindrücke unser Quartier in Aachen.

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19.9.

An unserem letzten Vormittag besuchten wir die Highlights dieser alten Kurstadt aus römischen Zeiten. Zu Fuß ging es vom Theater vorbei an dem schwefelhaltigen Elisenbrunnen – man roch es! – durch den Elisengarten zu Dom und Rathaus. Das gotische Rathaus hat seinen Ursprung als ehemalige Palastaula Karls des Großen. Am Granusturm , dem ältesten Bauwerk Aachens, entdeckt man noch Spuren aus karolingischer Zeit. Der Krönungs- oder Reichssaal im oberen Stockwerk mit riesigen Fresken von A. Rethel aus dem 19. Jahrhundert ist heute Ort der Verleihung des Karlspreises, der in diesem Jahr an den französischen Staatspräsidenten Macron ging. Der Dom, der zum allerersten deutschen Weltkulturerbe erklärt wurde, und die wertvolle Schatzkammer waren für uns die Höhepunkte dieses Tages. An der Silhouette des Doms fiel sofort das imposante Oktogon, Meisterwerk aus karolingischen Tagen, ins Auge. Im Inneren überraschten einerseits der byzantinische Charakter des zweigeschossigen Oktogons mit Säulen und Mosaiken und andererseits die gotische Chorhalle mit Karlsschrein und Pala d’ Oro vor dem Hauptaltar. Mit einer gewissen Ehrfurcht betrachteten wir auch den Kaiserstuhl (Ende 8.Jhd) im Emporen Geschoß des Oktogons. In der Domschatzkammer sahen wir uns u.a. das kostbare Lothar-Kreuz, den Proserpina-Sarg und die Karlsbüste mit der Schädeldecke an. Vor der Rückfahrt stärkten wir uns noch im traditionsreichen Café van den Daele mit Aachener Printen , dem typischen Gebäck der Stadt, bevor wir uns herzlich und dankbar von Frau Dr. Peters verabschiedeten. Ihr Spruch zum Abschied lautete: „Nicht das Vielwissen sättigt die Seele und gibt ihr Befriedigung, sondern das innere Schauen und Verkosten der Dinge“ (Ignatius von Loyola). Mit diesem tröstlichen Wissen rollten wir zügig und gesättigt voller schöner Erlebnisse zurück nach Bamberg.

 

 

Dr. Annebärbel Hüther-Franckenberg,                                                  Bilder: Dr.Rainer Franckenberg

 

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