GESELLSCHAFT HARMONIE
zu BAMBERG
Reise vom 30.6. -3.7.2025 in die
Kulturhauptstadt Chemnitz
Neugierige 27 Mitglieder fuhren am schon sehr warmen Montagmorgen um 8 Uhr von der Fuchsenwiese mit dem Spörlein Bus gen Sachsen. In Zapfendorf stieg noch eine Dame dazu, und so kamen wir nach einem kurzen Stopp in die Automobil - und Robert - Schuhmann Stadt ZWICKAU. In der Nähe des Marktplatzes, wo wir im „Wenzel“ das Mittagessen – böhmisch-sächsische Küche – einnahmen, holte uns gegen 14 Uhr die Stadtführerin – in schwarzem Kleid mit Reifrock und Hut gekleidet – zu einem Rundgang ab. Der erste Besichtigungspunkt war die kühle evangelisch-lutherische Kirche St. Marien. Hier predigte einst der Theologe und Revolutionär Thomas Müntzer. Im Innern der dreischiffigen Hallenkirche wurde unser Blick sofort von dem spätgotischen Marienaltar angezogen. Bemerkenswert fanden wir zudem das Netzrippengewölbe, den Doppelwendelstein, die ungewöhnlichen barocken evangelischen Beichtstühle und das 5m hohe, geschnitzte Heilige Grab . Wieder außerhalb fielen schräg gegenüber vom Hauptportal die sogenannten Priesterhäuser mit den steilen gotischen Dachfenstern ins Blickfeld. Vorbei an stattlichen Patrizierhäusern kamen wir zum Robert-Schuhmann-Haus. Hier in seinem Geburtshaus erhielten wir vom Museumsleiter höchstpersönlich in den acht Ausstellungsräumen einen umfassenden Einblick in das Leben und Werk von Robert und Clara( Wieck-)Schuhmann. Wunderschön waren dazu die Einspielungen auf verschiedenen Tasteninstrumenten, wobei der Hammerflügel und der Pedalflügel besonderen Eindruck hinterließen. Gemächlich schlenderten wir dann weiter – es war mittlerweile recht warm geworden. Über das Rathaus im neogotischen Stil, als nächstes das spätgotische Gewandhaus mit dem Staffelgiebel, jetziges Stadttheater schließlich dem Robert-Schuhmann-Denkmal kamen wir zur Paradiesbrücke, einer genieteten Eisenfachwerkkonstruktion über die Mulde. Am Kirchplatz der Katharinenkirche betrachteten wir noch die Statue von T. Müntzer und das Sandsteinrelief mit den apokalyptischen Reitern und sich erhebenden Bauern unter dem Regenbogen. Durch den Hof von Schloss Osterstein erreichten wir erschöpft von so viel Information und Wärme wieder unseren Bus, der uns zügig in den Chemnitzer Hof nach Chemnitz, der drittgrößten Stadt in Sachsen, brachte. Dort in dem 1930 im Bauhausstil errichteten Hotel am Theaterplatz in Nachbarschaft des ansehnlichen Backsteinbaus der Petrikirche und des König Albert Museums stärkten wir uns erst einmal an einem köstlichen Buffet, bevor die müden Glieder sich schließlich ausstrecken wollten.
1.7.
Gut gefrühstückt brachte uns der Bus am nächsten Morgen zu Schloss und Park LICHTENWALDE, wo uns wieder eine sehr nette und kundige Führerin erwartete. Dieses dreiflügelige Barockschloss wird von einem wunderschönen Park mit zahlreichen Wasserspielen, Skulpturen, Heckengärten, Terrassen- und Treppenanlagen umgeben. Dazu bietet die Anlage herrliche Ausblicke in das Zschopautal. Durch den Schlosshof betraten wir über das zweiseitige Treppenhaus die verschiedenen Zimmer und Salons, wobei der chinesische Salon mit seinen Wandtuschezeichnungen und den Chinoiserien zu dem schönsten zählt. Die Mittagspause gönnten wir uns unter den großen schattigen Linden am sogenannten Konzertplatz am Fontänen-Rondell. Dann fuhren wir wieder zurück nach Chemnitz, um die KULTURHAUPTSTADT 2025 zu erkunden. Die Stadt kann auf 880 Jahre Geschichte blicken. Aus einem kleinen, mittelalterlichen Stadtkern – Zentrum der Leinenweberei, des Garn-und Tuchhandels - hat sich im 19. Jahrhundert eine der ersten und erfolgreichsten Industriestädte Deutschlands entwickelt - das “ Sächsische Manchester“. Nach viel Zerstörung im Krieg und wenig Entwicklung zu DDR-Zeiten bietet Chemnitz heute großartig sanierte Bauwerke, Gründerzeithäuser und tolle Museen. Unsere Stadtführerin pickten wir am Busbahnhof auf. Wir fuhren vorbei am 13m hohen Karl- Marx- Denkmal, am Schornstein mit den 7 RAL Farben und der Markthalle im traditionellen Klinkerbau bis zur Hartmannfabrik, dem Informations-und Empfangszentrum der europäischen Kulturhauptstadt. Die denkmalgeschützte Halle war einst Teil des weltweit erfolgreichen Maschinenbauunternehmers Richard Hartmann. Temporäre interessante Skulpturen und Kunstwerke im Außenbereich bereichern dieses Industriedenkmal zusätzlich. Weiter ging unsere Fahrt vorbei am Fuß des Schlossbergs mit alten Fachwerkhäusern, am großen Schlossteich, am Kaßberg -Viertel mit seinen Gründerzeit- und Jugendstilvillen, an den sogenannten Garagenhöfen und imposanten Bauten der Industriearchitektur. Am roten Turm verließen wir schließlich wieder den Bus, um noch einen Blick auf den Markt mit dem spätgotischen, dreigeschossigen Alten Rathaus und seinem hohen Turm, auf das Neue Rathaus und auf das barocke Siegertsche Haus zu werfen. Wir verabschiedeten unsere kompetente Führerin und hatten uns ein schattiges Plätzchen bei Eis und kühlen Getränken verdient, da die Temperaturen mittlerweile stark gestiegen waren. Am Abend verwöhnte uns wieder ein köstliches Buffet im Hotel. Auf der Terrasse mit Blick auf den Theaterplatz ließen wir den schönen Tag ausklingen.
2.7.
Heute sollte es der bisher heißeste Tag des Jahres werden, und wir merkten schon früh, wie die Temperatur an Fahrt aufnahm. Unser Vormittagsprogramm lautete, ein kleines Stück des PURPLE PATH abzufahren, dem Kunst-und Skulpturenweg der europäischen Kulturhauptstadt. Auf diesem 400 km durch Landstraßen verbundene Weg suchten wir uns ein paar Werke aus, die den/die ein oder anderen/e begeisterten oder auch nur verwunderten. Jedenfalls war die Fahrt im klimatisierten Bus an diesem Tag ein wahrer Luxus. In Chemnitz zurück verbrachten wir hoch auf dem Schlossberg die Mittagszeit unter schattenspendenden alten Kastanienbäumen mit Blick auf den wunderschönen Schlossteich. Die meisten Mitreisenden gönnten sich danach erst einmal eine Siesta im Hotel. Der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Eine größere Gruppe besuchte später das Museum Gunzenhauser mit der Sonderausstellung EUROPEAN REALITIES. Hier in einem ehemaligen Sparkassengebäude der Neuen Sachlichkeit konnten wir Bilder der vielfältigen Realismusbewegung zwischen den 1920er und 1930er Jahren anschauen, die oft bedrückend den Zeitgeist spiegelten. Die Hotelterrasse am Abend war für viele ein willkommener Ort nach diesem Hitze-Tag.
3.7.
Die Jugendstil- Villa Esche stand heute als letzter Besichtigungspunkt auf dem Plan, bevor wir die Heimreise antraten. 1902 schuf der Belgier Henry van de Velde für seinen Auftraggeber und Freund Herbert Esche sein erstes architektonisches Auftragswerk in Deutschland. Esche ließ ihm völlig freie Hand, so dass van Velde seine Ideale modernen Wohnens verwirklichen konnte. Erhöht auf einem Hügel liegt sie in einem Park mit schönem alten Baumbestand. Im ehemaligen Speisezimmer - weitgehend original möbliert - und dem Musiksalon konnten wir einen Eindruck von den „Lebensräumen“ eines van de Velde gewinnen. Die oberen Räume beherbergen eine Dauerausstellung mit dem Gesamtschaffen des Künstlers, den Brautsuppengesellschaften und der Bau- und Restaurierungsgeschichte. Gleichzeitig gibt es auch eine interessante Reihe von Veranstaltungen im Saal unter dem Dach. In der ehemaligen Remise und jetzigem Restaurant stärkten wir uns bei köstlichem Essen für die Rückreise. Sie verlief zügig bis nach Schesslitz, wo dann ein technischer Defekt den Bus und damit uns lahm legte. Nach ca. einer Stunde wurden wir in einen doppelstöckigen Bus umgeladen und erreichten wohlbehalten die Fuchsenwiese.
Das Fazit dieser Reise: Trotz anfänglicher Skepsis wurden wir äußerst angenehm überrascht und viele können sich vorstellen, die neuen Erkenntnisse weiter zu vertiefen. Dank an unseren Vorsitzenden, der diese Idee hatte und unserem netten Busfahrer Herrn Fatih, der uns in der Hitze so umsichtig kutschierte.